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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 12.07.2005, 12:02 Titel: Bönn-Repertorisieren mit BBC-Win? |
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Liebe Kollegen,
trotz des Diskussions-Fadens von Sabine an anderer Stelle hier noch einmal eine Verständnisfrage zum BBC-Win.
Die Boger-Repertorisierung mit SK und GA geht ja einwandfrei (grenzenlose Begeisterung!). Es wurde angemerkt, dass die Auswahlbox im Programm AM-Ergänzungen des BBCR anfügt, somit, nach meinem Verständnis dieser Aussage, lediglich eine AM-Erweiterung ist.
Gemäss dem Programm beiliegenden Word-Dokument ist damit aber eine regelrechte Bönninghausen-(TTB)-Repertorisierung, abgesehen von der Polaritätsdifferenz-Kalkulation möglich. Stimmt das so?
In der Vet-Medizin gibt es doch einige Fälle, bei denen die Generalisierung nach Boger nur schwer fixierbar ist. Da bietet sich der m.M.n. eher "akute" Ansatz von Bönninghausen an. Insofern wäre diese Ergänzung genial.
Darüber hinaus: Die Analysen sind ja in dem Fall eine Synthese aus Boger und Bönninghausen, wobei das AM-Spektrum gegenüber dem TTB 46/97 stark erweitert ist. Die Auswertungen sind damit mit denen der Urrepertorisation nach Bönn. aber nicht mehr kongruent, oder?
Ein Beispiel aus dem Dokument (S. 32):
"Durch die Kombination der Modalitäten des Hauptsymptoms Kopfschmerzen – »Besserung in der Ruhe« (PB 370) und »Besserung nach dem Essen« (PB 361) – mit dem Nebensymptom »Scharfer Weißfluß« (PB 97) wird die Anzahl der ähnlicheren Arzneien auf Phosphor und Jodum begrenzt."
Die Quellen sind ja in der Software wunderbarerweise angegeben, somit lässt sich das Beispiel "nachkochen". Nur findet sich im BBC-Win ganz im Sinne der Bogerschen Komprimierung für die Ruhe-Modalität nur die GA-Karte 27: >>Bewegung agg, Ruhe amel....<< mit dem Quellenhinweis PB307! Wo finde ich im Sinne einer Bönn-Analyse das TTB-Symptom mit der Nummer 370? Ich habe allerdings die AM noch nicht dahingehend verglichen, ob alle PB370-AM auch in PB307 enthalten sind, ich vermute aber sie sind es nicht.
Ich benutze zwar auch das BönnRep von Thomas Schäfer, aber eine all-in-one-Lösung mit entsprechender Flexibilität gefällt mir meist besser.
Was sagen die Experten dazu? Ich kann zwar den SK und das GA fassen, komme aber beim BBCR anscheinend noch immer nicht ganz raus. Ich hoffe, das oben gesagte war verständlich genug, sonst hakt bitte noch einmal nach.
Danke Euch schon jetzt für die Erleuchtung eines wissbegierigen Lernenden
Viele Grüsse
Peter _________________ ....
Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin |
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Jens Ahlbrecht
Anmeldungsdatum: 23.12.2004 Beiträge: 103 Wohnort: Pohlheim
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Verfasst am: 12.07.2005, 22:21 Titel: |
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Lieber Herr Klocke,
wie schön, daß Sie unser Forum wieder mit interessanten Fragen beleben!
Da ich sehr viel mit dem BBC-TB bzw. der BBC-Win-Software arbeite, fühle ich mich gerne aufgerufen, auf Ihre Frage zu antworten.
Zunächst einmal gilt es unmißverständlich festzuhalten: Das BBC-TB (bzw. die Software, die im folgenden immer mitgemeint ist) ermöglicht keine TTB-Repertorisation nach Bönninghausen. Das soll es auch nicht, denn dafür haben wir ja das Original. Allerdings ermöglicht das BBC-TB (unter Einbeziehung der Ergänzungen der 2. Abteilung) eine Analyse, die sich der Bönninghausen-Methode stark annähert, und zwar dergestalt, daß in dieser 2. Abteilung aus den entsprechenden Rubriken des TTB (und natürlich auch des BBCR, woraus sich die Erweiterungen des Arzneimitteltableaus gegenüber dem TTB erklären) hochgradig charakteristische Mittel ergänzt wurden: die nämlich der beiden höchsten Wertegrade, kursiv und gesperrt kursiv.
Nimmt man etwa die von Ihnen angesprochene TTB-Rubrik „Ruhe bessert“ des TTB (S. 307), so findet man in der entsprechenden BBC-TB-Rubrik „Bewegung AGG; Gehen AGG; Ruhe Amel“ (S. 24) neben anderen Einträgen, die sich dem BBCR und eben Bogers eigener Erfahrung verdanken, tatsächlich auch sämtliche Arzneimitteleinträge, die bei Bönninghausen im TTB in den beiden höchsten Wertegraden erscheinen – und zwar entweder in der ersten Abteilung (d.h. SK und/oder GA, dann hat also auch Boger sie als hochgradig charakteristisch eingestuft) oder eben als Nachtrag in der 2. Abteilung. Nicht berücksichtigt sind die Arzneimitteleinträge in den unteren beiden TTB-Wertegrade (man könnte methodisch einwenden, daß auch die im TTB in Fraktur gesperrt gedruckten Arzneien als charakteristisch einzustufen seien, da dieser Grad ja anzeigt, daß eine Arznei dieses Symptom mehr als einmal in den Prüfungen hervorgebracht hat und es lediglich der klinischen Bestätigung mangelt. Dieser Einwand ist zweifelsohne berechtigt – und ich kann darauf nur empirisch antworten: Ich habe in meiner praktischen Tätigkeit bislang keinen Fall erlebt, bei dem sich dieses Fehlen der zweiwertigen TTB-Arzneien im BBC-TB als ein Problem bei der Arzneimittelfindung erwiesen hätte).
Was bedeutet dies? Das BBC-TB kann als ein Bindeglied zwischen der traditionellen Bönninghausen-Methode und dem genuinen Ansatz Bogers eingeordnet werden – und zwar von beiden Seiten her kommend: Es kann einerseits für diejenigen, die sich Boger von Bönninghausen her kommend annähern, als Einstiegsarbeitsmittel fungieren; dann arbeitet man mit mehr Rubriken und nimmt zunächst immer die zweite Abteilung dazu, um den Eliminationsgrad zu verringern. Bei wachsender Sicherheit mit der Boger-Methode geht man dann vielleicht dazu über, sich zunehmend auf die SK- und GA-Einträge zu konzentrieren, aber das ist ja auch nicht zwingend.
Andererseits ermöglicht das BBC-TB den „Hardcore-Bogerianern“ im Bedarfsfall eine mit Rücksicht auf die verwendeten Quellen absolut valide Ausweitungsmöglichkeit der Arzneimitteltableaus, wenn ein Symptom oder gar ein ganzer Fall nicht hundertprozentig den strengen Kriterien der GA- oder SK-Arbeit genügen kann, gleichwohl jedoch die entsprechenden Rubriken bei der Ausarbeitung verwendet werden sollen. Auf diese Weise ergibt sich eine Klaviatur, die ich persönlich in der täglichen Praxis unter keinen Umständen mehr missen möchte. Ich erlebe das BBC-TB u.a. auch immer dann als sehr nützlich, wenn ich versuche, mit Partikularrubriken die Feindifferenzierung einer Gruppe von in Frage kommenden Arzneien durchzuführen: Diese Rubriken sind im SK in der Regel zu klein, als daß ich es wagen würde, mich allein darauf zu verlassen; unter Hinzunahme der Ergänzungen aus der 2. Abteilung fühle ich mich da bedeutend sicherer und habe es nicht selten erlebt, daß dann das indizierte Mittel nicht im SK, sondern eben in den Ergänzungen verzeichnet war.
Soviel, lieber Herr Klocke, aus dem Stehgreif schnell hingeschrieben, aber ich bin immer froh, wenn sich eine Gelegenheit bietet, Aufklärungsarbeit in Sachen BBC-TB zu leisten, weil dieses Werk meiner Meinung nach in der Homöopathie-Szene ziemlich unverstanden ist und leider noch keine angemessene Würdigung erfahren hat.
Ganz herzliche Grüße
Jens Ahlbrecht |
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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 13.07.2005, 00:45 Titel: |
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bevor ich morgen fundiert antworte: GENIAL!!! Danke für die Antwort. Mannohmann, wenn jedes Forum soviel sachkompetenten und gleichsam selbstkritischen Input liefern würde wie dieses.
Schon einmal soviel. HERZLICHSTEN Dank für die umfangreiche Antwort.
Es grüsst herzlich mit einem guets Nächtle
Peter Klocke _________________ ....
Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin |
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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 18.07.2005, 11:53 Titel: |
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Lieber Herr Ahlbrecht, liebe Boger- und BBC-Win-Freunde,
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
Zunächst einmal gilt es unmißverständlich festzuhalten: Das BBC-TB (bzw. die Software, die im folgenden immer mitgemeint ist) ermöglicht keine TTB-Repertorisation nach Bönninghausen. Das soll es auch nicht, denn dafür haben wir ja das Original. |
Damit ist schon einmal ein Grundmissverständnis geklärt!
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
Allerdings ermöglicht das BBC-TB (unter Einbeziehung der Ergänzungen der 2. Abteilung) eine Analyse, die sich der Bönninghausen-Methode stark annähert, und zwar dergestalt, daß in dieser 2. Abteilung aus den entsprechenden Rubriken des TTB (und natürlich auch des BBCR, woraus sich die Erweiterungen des Arzneimitteltableaus gegenüber dem TTB erklären) hochgradig charakteristische Mittel ergänzt wurden: die nämlich der beiden höchsten Wertegrade, kursiv und gesperrt kursiv.
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Das wiederum ist etwas verwirrend für mich. Was ist geanu die 2. Abteilung?
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
Nimmt man etwa die von Ihnen angesprochene TTB-Rubrik „Ruhe bessert“ des TTB (S. 307), so findet man in der entsprechenden BBC-TB-Rubrik „Bewegung AGG; Gehen AGG; Ruhe Amel“ (S. 24) neben anderen Einträgen, die sich dem BBCR und eben Bogers eigener Erfahrung verdanken, tatsächlich auch sämtliche Arzneimitteleinträge, die bei Bönninghausen im TTB in den beiden höchsten Wertegraden erscheinen |
Okay, das scheint mir plausibel. Boger hat also die Rubriken von Bönninghausen unter Berücksichtigung der hochgradigen AM komprimiert. Somit erklärt sich ja auch das bei Boger sehr charakteristische Fehlen von polaren Rubriken.
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
– und zwar entweder in der ersten Abteilung (d.h. SK und/oder GA, dann hat also auch Boger sie als hochgradig charakteristisch eingestuft) oder eben als Nachtrag in der 2. Abteilung. |
Nochmals eingehakt: dann bedeutet 2. Abteilung also nich Nachträge im BBCR?
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
Nicht berücksichtigt sind die Arzneimitteleinträge in den unteren beiden TTB-Wertegrade |
Was wiederum gemäss Bogers Ansprüchen an die Zielgenauigkeit der AM/Symptomenbeziehung konsequent und nachvollziehbar ist.
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
Das BBC-TB kann als ein Bindeglied zwischen der traditionellen Bönninghausen-Methode und dem genuinen Ansatz Bogers eingeordnet werden – und zwar von beiden Seiten her kommend...
[...]
Bei wachsender Sicherheit mit der Boger-Methode geht man dann vielleicht dazu über, sich zunehmend auf die SK- und GA-Einträge zu konzentrieren, aber das ist ja auch nicht zwingend.
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Erscheint mir logisch und didaktisch geschickt. Nur im Vergleich zwischen beiden erhalte ich unterschiedliche Rep-Ergebnisse (Bönninghausen klassisch und BBCR). Genau das hat mich ja etwas verwirrt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den Fehler gemacht habe, die Boger-Repertoriastion mehr oder weniger 1:1 auf Bönninghausens TTB-Rubriken übersetzt zu haben. Diese etwas oberflächliche Ansatz hat vermutlich die Inkonsistenzen ergeben.
| Jens Ahlbrecht hat Folgendes geschrieben: |
Andererseits ermöglicht das BBC-TB den „Hardcore-Bogerianern“ im Bedarfsfall eine mit Rücksicht auf die verwendeten Quellen absolut valide Ausweitungsmöglichkeit der Arzneimitteltableaus, wenn ein Symptom oder gar ein ganzer Fall nicht hundertprozentig den strengen Kriterien der GA- oder SK-Arbeit genügen kann, gleichwohl jedoch die entsprechenden Rubriken bei der Ausarbeitung verwendet werden sollen.[..] |
Das ist allerdings eine hervorragende Ergänzung. Mich "erschüttert" immer wieder, wie wenige AM bei wie wenigen Rubriken übrig bleiben.
Aber vielleicht einmal ein nicht besonders gutes (im Praxissinne), aber prägnantes Beispiel:
Mein Ansinnen: Für einen Milchbetrieb einmal eine Art Mittelspektrum aufzubauen (bitte jetzt nicht die mangelhafte Individualisierung anmerken, die spielt hier keine Rolle). Sie wissen vielleicht aus vergangenen mails, ich bin Mastitis-"Fan" , in jedem Fall ist das unser Hauptproblem.
Der Bestand (=Verankerung!) leidet unter chronischen Euterentzündungen, die sich in starken Knotenbildungen äussern. Als Ursache wurden sehr schlechte Stallverhältnisse mit entsprechenden Durchnässungen der Tiere ausgemacht.
Ich hatte früher schon einmal relativ mühsam Silicea als durchaus brauchbares Ergebnis ermittelt, ohne Kenntnis der B&B-Methodik.
Man kann sich jetzt über die Zusammenhänge streiten, will ich aber gar nicht. Mir geht es um folgendes: Ich vergleiche anhand dieser spärlichen Informationen nur mittels der drei Repertorisationstechniken die dabei entstehende Mittelpalette:
Boger SK (Brustdrüse; Drüsenverhärtung; Nässe, Durchnässung): 2 (!) Mittel durchgängig: SIL, PHYT. Phantastisch, passt bestens. Daneben 4 weitere Mittel (Con, Bry, carb-an, und Calc), die allesamt in diesem Zusammenhang diskussionswürdig sind.
Boger GA (Drüsen 053; Verhärtung 118, Nässe 201): 9 Mittel durchgängig, allesamt in diesem Bereich diskutierbar oder grosse Konstitutionsmittel für das Rind. SIL ist dabei. Klar: Diese GA-Analyse erfordert eigentlich einen höheren Generalisierungsgrad der Symptome. Ich würde mich daher scheuen, diese Analyse als Grundlage zu nehmen, zumal die Verhärtung sehr kritisch im generellen Sinne ist.
Boger SK-Analyse + BBC-Nachträge : Das ganze unterscheidet sich nicht sehr stark vom Ergebnis der GA-Analyse. SIL ist dabei.
Bönninghausen-TTB/1846: 3 Mittel hochgradig durchgängig: BRY, PULS, BELL. (???). SIL ist abgeschlagen, im höchsten Grad mit Brustdrüsenbezug, im niedrigen mit Bezug zur verhärtung und ohne Bezug zur Modalität. Ich habe bei den Durchgängigen 2 Akut-Mittel und auch sonst ist im weiteren ein ziemlich nichtssagendes Ergebnis zu sehen.
DAS war mein Problem. Ich muss sagen, dass das was ich vermute hatte eingetreten ist, dass sich zumindest in diesem Fall die SK-Repertorisation als die am besten für das Tier geeignete herausstellt.
Oder habe ich richtige Böcke geschossen?
Danke für Eure Kommentare.
Viele Grüsse
Peter Klocke _________________ ....
Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin |
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Jens Ahlbrecht
Anmeldungsdatum: 23.12.2004 Beiträge: 103 Wohnort: Pohlheim
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Verfasst am: 18.07.2005, 15:51 Titel: |
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Lieber Herr Klocke,
jetzt müssen Sie mir als erstes mal verraten, wie Sie das mit dem Einfügen der Zitate gemacht haben! Das vereinfacht die Bezugnahme doch ganz erheblich. Bis auch ich über diese Raffinesse verfüge (ich vermute, es hat was mit der "Quote"-Taste zu tun...), erfolgt meine Antwort einstweilen noch auf die konventionelle Weise:
"2. Abteilung" meint die Nachträge, die in der BBC-Win-Software durch Anklicken des "Boger-Bönninghausen charakteristisch"-Buttons aktiviert werden. In der Buchausgabe sind diese Arzneien in einem zweiten Absatz unter den Original-Einträgen aus GA und SK plaziert - daher hat sich dafür der Terminus "2. Abteilung" im Sprachgebrauch eingebürgert.
Im Zusammenhang mit der Legierung negativ polarer Bönninghausen-Rubriken in eine einzige (Beispiel Bewegung AGG und Ruhe AMEL) scheint es mir wichtig, noch einmal hervorzuheben, daß man die nach Bönninghausen charakteristischen Mittel (= die beiden höchsten Wertegrade) mit dem BBC-TB nur dann vollständig erfaßt, wenn man die Nachträge / 2. Abteilung hinzunimmt; die sind nicht alle schon in GA und/oder SK enthalten, denn hier hat Boger seine Auswahl getroffen.
Da mir ansonsten alles unstrittig zu sein scheint, zum Abschluß noch eine Anregung zu der GA-Analyse des Mastitis-Falles: In Ihrer Darstellung heben Sie den Aspekt des Knotigen an der Euterentzündung hervor; mir fiel dazu beim Lesen spontan die Rubrik GA 151 "Klumpige Effekte, Absonderungen, etc." ein, die mir im Sinne eines pathologischen Allgemeinsymptoms besser zu passen, weil das Phänomen präziser zu beschreiben scheint. Verwendet man in der von Ihnen vorgeschlagenen Repertorisationdiese Rubrik anstelle der "Härte"-Rubrik (+ Nässe, + Drüsen) , reduziert sich die Zahl der durchgängigen Arzneien bereits auf nur noch vier: Calc., Lyc., Rhus-t. und Sil. - wobei Sil. ärgerlicherweise in der "Nässe"-Rubrik nicht in der GA, sondern "nur" in der gleichlautenden SK-Rubik notiert ist.
Herzliche Grüße in die Schweiz
Jens Ahlbrecht[/b] |
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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 18.07.2005, 16:45 Titel: |
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Lieber Herr Ahlbrecht,
na, das find ich ja mal schön, dass ich Ihnen helfen kann !
Zum Zitieren verwenden Sie einfach den Button oben rechts "Zitat", dann erscheint der GESAMTE Text vom entsprechenden Beitrag im Textfenster. Dieser Text beginnt, wie Sie sehen werden, mit <eckicke Klammer><quote: Autor><eckige Klammer> und endet mit <eckige klammer></quote><eckige Klammer>. Alles was zwischen diesen beiden als Text steht, erscheint als Zitat. Jetzt brauchen Sie nur noch Anfangsmarke und Endmarke (immer in eckigen Klammern) an den Anfang und das Ende des zu zitierenden Textes kopieren und sich dazwischen eben selbst äussern.
Erleichtert in der Tat das Lesen erheblich.
Zu Ihrer Rubrik GA 151 muss ich sagen, dass sie für mich neu ist. Sie passt zwar meiner Meinung nach hier nicht so gut, aber als Charakteristikum für Mastitismilch ist sie super!
Werde gleich mal damit experimentieren.
Danke schon mal und viele Grüsse
Peter Klocke _________________ ....
Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin |
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Jens Ahlbrecht
Anmeldungsdatum: 23.12.2004 Beiträge: 103 Wohnort: Pohlheim
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Verfasst am: 18.07.2005, 22:11 Titel: |
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Lieber Herr Klocke,
herzlichen Dank für die Einweisung in fachgerechtes Zitieren; ich werde es bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit gleich ausprobieren.
Noch ein Wort zu der "Klumpig"-Rubrik: Natürlich ist die Verwendung dieser Rubrik in diesem Zusammenhang unorthodox, deshalb diskussionswürdig, vielleicht auch fragwürdig.
Ich bin, was die Ausweitung der Rubriken-Bedeutungen und damit die Ausweitung des Anwendungsspektrums der Rubriken angeht, in meiner Praxis einfach immer am Experimentieren. Auf diese Weise kommen vor allem die Empfindungsrubriken häufiger zum Einsatz, aber eben auch pathologische Allgemeinsymptome wie "Klumpig", "Dick" "Zäh" usw. Wenn es "gut" geht, merke ich es mir, und wenn es nicht funktioniert, dann verwerfe ich es.
Herzliche Grüße
Jens Ahlbrecht |
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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 18.07.2005, 23:30 Titel: |
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Noch eine Ergänzung zum Thema experimetieren mit den Kühen, zumindest und zum Glück nur virtuell.
In meiner Fachgruppe diskutieren wir seit langem das Thema Konstitution/Miasma im Rinderstall und uns geht andauernd das Thema Tuberkulinum durch den Kopf. Nun liefert in der Tat Boger und das BBC-Win die repertoriale Entsprechung mit ganz einfachen Mitteln:
GA 53 (Drüsen) --> eben die Milch- und auch die Geschlechtsdrüsen.
GA 217 (Reaktionsmangel). --> eigentlich bei vielen Kühen der Fall
Ergebnis: 3 "durchgängige" (was immer das auch bei 2 Rubriken heissen möge ) Mittel:
TUB (wie gesagt, lange diskutiert)
CALC (im Moment in vielen Beständen Konstitutionsmittel für unsere schweren Fleckviehkühe) und
SULPH (eigentlich ohne weitere Kommentare; aber auch das oft eingesetzt und sehr beliebt im Rinderstall).
Allerdings, darf man nicht den Fehler machen, derartige "Erfolge" unkritisch als solche zu werten, denn bislang nähere ich mich den Boger-Prinzipien von der falschen Seite, in dem ich bekannte Mittel in Repertortisationsmuster drücke. Andersrum (Rep.-->AM) gearbeitet muss dann irgendwann folgen.
Nichtsdestrotz sind solche Fingerübungen hervorragend geeignet, um sich der Methodik zu nähern.
(im übrigen muss ich mal meine "Drüsen" etwas degradieren, um nicht zu kurzsichtig zu werden).
Viele Grüsse nach Königsberg und in den Rest der Republik.
Peter Klocke _________________ ....
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Jens Ahlbrecht
Anmeldungsdatum: 23.12.2004 Beiträge: 103 Wohnort: Pohlheim
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Verfasst am: 19.07.2005, 08:59 Titel: |
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Lieber Herr Klocke,
natürlich ist es immer eine zweischneidige Sache, erfolgreiche Verordnungen mit einer anderen Methode der Arzneimittelfindung nachzuarbeiten, weil man einzig darauf fokussiert ist, die bereits erfolgte Verordnung zu bestätigen. Dies entspricht nicht gerade dem Ideal der "Vorurteilslosigkeit", und vielleicht wäre man ja bei völliger Unkenntnis des Mittels auf ein anderes gekommen, das die gleichen oder sogar noch bessere Dienste geleistet hätte als das bereits gegebene (Aus diesem Grund ist in meinen Augen übrigens auch der immer wieder gegen das TTB von Bönninghausen erhobene Vorwurf, es enthalte nur rund 125 Arzneien und sei allein bereits deswegen antiquiert, weil man damit ja alle Verordnungen mit später eingeführten Mitteln nicht nachvollziehen kann, nicht wirklich zwingend, denn wer kann denn ausschließen, daß die mit dem TTB in einem solchen Fall gefundene Arznei nicht auch kurativ gewesen wäre?).
Gleichzeitig stelle ich aber immer wieder fest, wenn ich fremde oder auch eigene alte Fälle mit der Boger-Methode nacharbeite, daß sich mein Verständnis der Rubriken, in denen ein Arzneimittel verzeichnet ist, erheblich erweitert. Ein hervorragendes Arbeitsmittel hierzu ist das "Arzneimittelkompendium zur General Analysis", in dem man ja alle Rubrikeneinträge einer Arznei auf einen Blick hat. Ist das Mittel bekannt, kann man hier nachschauen, welche Rubriken den Fall wirklich abdecken, und auf diese Weise sehr gut die eigene Borniertheit, bestimmte Lieblingsrubriken zu verwenden, überwinden. Man stößt nämlich dabei (gerade bei den Polychresten) nicht selten auf Rubriken, an die man von sich aus niemals gedacht hätte, um nun aber festzustellen, daß sie den Fall viel besser abdecken als die "eigentlich" lege artis eingesetzten Rubriken. Und dann traut man sich irgendwann vielleicht auch einmal, in einem realen Fall von z.B. Drüsenverhärtung eben nicht die "Härte"-, sondern die "Klumpig"-Rubrik oder in einem Fall von Drehschwindel nicht die "Schwindel"-, sondern die "Drehen"-Rubrik zu nehmen usw.
Herzliche Grüße
Jens Ahlbrecht |
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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 20.07.2005, 00:26 Titel: |
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Lieber Bogerianer, lieber Herr Ahlbrecht,
ich hatte den weiteren Dialog zu diesem Thema mit Herrn Ahlbrecht persönlich geführt, muss aber eingestehen, dass unsere Gedanken nicht nur unter uns bleiben sollten. Wir haben uns daher entschieden, unseren Gedankenaustausch öffentlich zu machen, in der Hoffnung, Input der geneigten Leserschaft dieser Forums zu erhalten. Also, mache ich mal den Anfang (nur ein paar einleitend persönliche Worte wurden gestrichen, ansonsten Originaltext:
Lieber Herr Ahlbrecht.
[...] Ich möchte nämlich meine Hintergründe etwas erläutern. Mir ist bewusst, dass zu jedweder homöopathischen Methodik ein klein wenig, in der Regel sogar etwas mehr Intuition notwendig ist. In diesem Sinne finde ich Ihre Gedankengänge hervorragend und für die Praxis sehr anregend, auch bezüglich der Motivation zur Experimentierfreudigkeit. Von diesem Standpunkt aus gesehen machen auch die Diskussionen sehr viel Spass.
Mein anderes Gesicht ist das des Wissenschaftlers, zu dessen täglich Brot auch die Beantragung von Geldern für Forschungsprojekte gehört. Und diese Seite ist in diesem Forum nur sehr schwer zu vermitteln, wenngleich ich auch das nicht wirklich zurückhalten möchte, aber ich bin noch nicht so weit.
Was sollen nun diese einleitenden Worte? Es geht mir darum, dass ich, wenn ich ein Homöopathie-Projekt konzipiere, relativ schematisch drangehen muss, will ich, z.B. in Brüssel irgendjemanden überzeugen. Bislang, oder besser früher, war das im Rahmen der Homöopathie nur dann möglich wenn ich bekannte Standards hergenommen habe (ein Beispiel wäre Traumeel bei Euterverletzungen, nur um irgendetwas zu benennen). Jedenfalls hat mir ein nicht der Homöopathie zugänglicher Wissenschaftler kentianische Mittelfindungsmodelle noch nie abgenommen, wir haben im Moment beispielsweise extreme Probleme bei der Durchbringung einer Dissertation, die schweizerisch-kentianisch (noch eine Stufe weiter weg vom schulmedizinischen Verständnis durchgeführt wurde.
DIE Chance habe ich dann bei Boger gesehen. Wenn ich also diese Methodik platziere und ich in einem Antrag schreibe, ich setze zum Beispiel Tuberculinum ein, weil es erstens im Rahmen der homöopathischen MM die Reaktionslosigkeit positiv beeinflussen soll und zweitens „drüsengängig“ ist, dann klingt das für die Scientokraten weitaus vertrauensvoller, als wenn ich von einem vermuteten tuberkulinischen Miasma in Kuhherden spreche. Verzeihen sie die etwas unhomöopathische Sprache, aber so stellt sich mein Janus-Dasein dar.
Deshalb auch derzeit dieser Weg, der retrograden Repertorisation, die ganz nebenbei natürlich zu einigen Lerneffekten führt. Boger bietet mir derzeit die Chance, die klassische Homöopathie wissenschaftstauglich zu machen, vielleicht eine etwas weitgreifende Vision, aber sie ist notwendig, will ich als Forschungsleiter der Tiergesundheit auf diesem Gebiet auch in Zukunft arbeiten können.
Ich hoffe, meine aktuelle Intention ist Ihnen etwas klar geworden. Natürlich juckt es mich fürchterlich in den Fingern, auch verstärkt den homöopathischen Praxisalltag mit Bogers „Tools“ zu bestreiten. Ich hoffe, das ist eine realisierbare Vision.
Ich hoffe weiterhin auf Ihre extrem wertvollen Anregungen und, nochmals betont, auf unser erstes Treffen irgendwann.
Es grüsst Sie herzlich
Peter Klocke _________________ ....
Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin |
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Jens Ahlbrecht
Anmeldungsdatum: 23.12.2004 Beiträge: 103 Wohnort: Pohlheim
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Verfasst am: 20.07.2005, 06:01 Titel: |
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Lieber Herr Klocke,
vielen Dank für Ihren Brief, nach dem ich, so glaube ich, Ihre Intentionen und auch Ihren Zwiespalt besser verstehe.
Zweifelsohne eignet sich der Boger-Ansatz für das, was Sie bezwecken, zunächst einmal wesentlich besser als Kent und Epigonen, aber auch als Bönninghausen. Allerdings bin ich mir relativ sicher, daß sich ein auch im Wissenschaftsbetrieb "markgängigerer" Boger nur bedingt und auch nur bis zu einem bestimmtem Grad schematisieren läßt - und irgendwann schlägt dann das Postulat der Individualisierung bedingungslos zurück.
Natürlich hat es etwas Verlockendes und auch fast schwarzmagisch Suggestives, mit zwei oder drei gut gewählten Rubriken zum Simillimum zu kommen (das Staunen darüber erlebe ich mit schöner Regelmäßigkeit auf meinen Voträgen und Seminaren). Aber das sind dann eben auch gut gewählte Rubriken - und die Auswahl folgt nur selten einem Schema F.
Wir machen ja nach dem Auftauchen der beiden von Boger mit der Kartei gelösten Fälle (s. Boger-Bote 2) im Moment sowieso die Erfahrung, daß die von Boger in seinem Brief an Dhawale 1935 aufgestellte und so verbindlich und verläßlich wirkende Hierarchisierung (1. Anatomische Wirksphäre, 2. Causa, Modaliäten und andere Generals, 3. diskrete Symptome im Kent-Repertorium und 4. Differenzierung über den Gemütszustand) ganz offensichlich nicht unbedingt als verbindliches Schema für eine Kartenrepertorisation mit zwei oder drei Karten gelten kann, da in Bogers Fallbeispielen wesentlich mehr Karten verwendet wurden und das Prinzip der Durchgängigkeit keine Rolle mehr spielte! Da gilt es vieles neu zu bewerten!
Wie sagte Hölderlin?: "Komm, ins Offene, Freund!" Als ich vor Jahren mit Boger anfing, habe auch ich mich erst einmal an dieser Struktur der Hierarchisierung orientiert und immer zuerst nach der anatomischen Wirksphäre gefragt. Die Ergebnisse waren ermutigend, aber nicht bahnbrechend. Inzwischen heißt meine Fragestellung immer: Was ist das Charakteristische des Falles in zwei Worten? Jeder Schematismus führt vom Individuellen und damit von der genuinen Homöopathie weg. [...]
Es ist mir klar, lieber Herr Klocke, daß ich Ihnen nichts Neues sage, es war sozusagen die andere Seite des Januskopfes, die mich sprechen hieß.
Und noch eines: Wir sollten einander wirklich unbedingt einmal persönlich kennenlernen!!!
Herzliche Grüße
Jens Ahlbrecht |
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Peter Klocke
Anmeldungsdatum: 24.01.2005 Beiträge: 23
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Verfasst am: 20.07.2005, 09:07 Titel: |
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Lieber Herr Ahlbrecht,
vielen Dank für die Ermunterung, aber auch die Ernüchterung, die ja nicht vom Himmel gefallen kommt, sondern einfach dem Bewusstsein immer wieder zu entgleiten versucht. Sie haben in jedem Punkt Recht. Ich will auch gar nicht die Homöopathie revolutionieren oder gar schablonisieren. Dennoch denke ich die Romantik, die der Homöopathie immer ein wenig inne wohnt, gilt nur bedingt für die Nutztierhomöopathie, wo man es doch öfter mit deindividualisierten (leider!) Wesen zu tun hat. Viele Erkrankungen gleichen sich wie ein Ei dem anderen, wobei immer wieder die Frage erlaubt sein muss: Gilt denn das alles wirklich auch für das Tier???
Ich habe viele Romantiker im Nutztierbereich gesehen, die sich in meinen Augen etwas vormachen und Dinge sehen, die einfach nicht da sind. Vor einigen Jahren habe ich in einem ATF-Seminar den dortigen Dozenten erlebt, der wohl einen Tag bevor wir auf einen Betrieb gefahren sind, eine Kuh herausgesucht und ihr eine AMD verpasst hat. So weit so gut. Nur hatte er nicht mit dem Wissen der lernenden KollegInnen gerechnet, die seine Anamnese auf den Kopf stellten. Letztlich wurde nach rein klinischen Gesichtspunkten therapiert, was ja per se nicht schlecht ist, aber als Lehrbeispiel für die Einführung in die klassische Homöopathie? Damals keimte in mir der Verdacht, dass hier sehr viel hochgestapelt, voneinander abgeschrieben und Blödsinn gelehrt wird. Bis ich einen Kollegen in der CH traf, der ganz ehrlich seine Meinung zu dem Thema äusserte und ganz selbstkritisch, aber auch selbstbewusst von wenigen aber guten Fällen berichtete. Das brachte er derart überzeugend und ehrlich, dass ich wieder Hoffnung schöpfte.
Boger verleitet zum Schematisieren, das ist mir insbesondere deshalb klar, weil ich meinen leider noch dünnen theoretischen Unterbau mit dem BBC-Win, quasi als Spielzeug zu verifizieren versuche. Das ich mit den Ergebnissen mehr als hervorragend leben kann, wie allein der Tub-Fall zeigt, bestärkt mich. Sollte ich bald diese Klaviatur besser beherrschen, müsste, und auch das ist meine Perspektive, es möglich sein, das Tier unter viel individuelleren Gesichtspunkten zu betrachten.
Allein das Verständnis um den §153 erscheint mir und allen Naturwissenschaftlern bei Bönn/Boger sehr viel einleuchtender. Die kentianische Sichtweise hat zu einer Radikalisierung der Individualisierungspflicht gerade unter fundamentalen Tierärzten geführt, bei der für Toleranz und Selbstkritik kaum mehr Raum ist. Das B&B-Verständnis dieses Zentralpragraphen der Homöopathie (soweit es mir wirklich zugänglich) ist eines, das mich davon befreit, nach allerlei Merkwürdigkeiten beim Patienten zu suchen, die zwar wunderschön in verschiedenen Vorträgen klingen, aber einfach weit hergeholt sind (eine Kuh die wegen eines Stoffwechselproblems kein frisches Gras verspeisen möchte, was nicht sooo selten ist, hat für mich einfach keine „Abneigung gegen grüne Speisen“ (mag-c als einziges, einwertiges AM; Synthesis 7), was für den Kollegen mittelanzeigend war, um nur EIN Beispiel aus dem Anekdoten-Kabinett der Kollegen zu nennen.
Insofern werde ich Ihre Hinweise gerne beherzigen, aber ich denke, wir sollten auch über eine begrenzte Schematisierung nachdenken, wir brauchen Tierärzte, die bereit sind, Homöopathie mit einfachen Mitteln zu beginnen. Ob es eines Tages wirklich Boger ist, den wir uns verinnerlichen, weiss ich noch nicht. Kent ist es in meinen Augen jedenfalls nicht.
Ich sage auf meinen Vorträgen immer, dass die klassische Homöopathie, wie sie die Schule, zumindest die tierärztliche, lehrt im Moment in dieser Form nicht praxistauglich ist. Aber man muss sie lernen, um alles andere zu verstehen. Das gilt auch für die Frage, wie man Boger in die (Nutztier-)Praxis einführt. So gesehen, will ich erstmal die Basics lernen und vertiefen, dabei meine etwas unhomöopathisch anmutenden Ideen nicht vergessen. Ihr von mir gerne akzeptierter erhobener Zeigefinger ist auf diesem Wege genauso wichtig wie meine Diskussionspartner hier und die wenigen Studenten, für die ich jetzt eine Vorlesung in diesem Sinne gestaltet habe. Daneben schätze ich inzwischen natürlich nicht nur Ihre Kritik sondern auch Ihre selbst für bogersche Verhältnisse innovativen Ideen.
Dank noch einmal für die Zeit, die Sie sich genommen haben.
hoffentlich bis bald
herzliche Grüsse nach Königsberg
Peter Klocke _________________ ....
Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin |
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Jens Ahlbrecht
Anmeldungsdatum: 23.12.2004 Beiträge: 103 Wohnort: Pohlheim
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Verfasst am: 20.07.2005, 09:34 Titel: |
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Lieber Herr Klocke,
vorab gleich eine Einschränkung: natürlich beziehen sich meine Ausführungen (und auch meine Erfahrungen) ausschließlich auf den Humanbereich; die Spezifika der Veterinärhomöopathie im Hinblick auf das Problem der Individualisierung sind mir absolut unbekannt. Ich hatte diese Einschränkung schon in meine vorige Mail schreiben wollen, aber dann ist das im Eifer des Gefechtes irgendwie untergegangen.
Wenn ich von Individualisierung spreche, dann meine ich damit - zumal, wenn ich kreativ im Veterinärbereich herumdilettiere - die Individualisierung des konkreten, vor Augen liegenden Krankheitsbildes - und natürlich nicht die zuweilen paranoid anmutende Suche nach Eigentümlichkeiten der Tierpersönlichkeit á la Kent (wovon ja auch Ihre Mag-c.-Anekdote ein beredtes Zeugnis liefert...).
[...]
Ich habe eine ganze Reihe von Borschels Falldarstellungen (G. Borschel: Homöopathie in der Veterinärmedizin) nachgebogert und recht häufig die Erfahrung gemacht, daß man die von ihm benannten Charakteristika des Krankheitbildes lediglich eins zu eins in die Rubrikensprache Bogers übersetzen braucht - und schon ist man bei der kurativen Arznei! Das hat mir gleichsam Mut gemacht, eine solche Herangehensweise im Sinne einer (mir sehr gelegen kommenden) Arbeitshypothese erst einmal anzunehmen.
Aber all meine Spitzfindigkeiten sollen nicht verdecken, daß wir ja in der Sache gar nicht auseinander sind, sondern uns lediglich in der Perspektive (Human vs. Veterinär) und der Intention ("bedingungslose Romantik" vs. Institutionalisierung) unterscheiden.
[...]
Herzliche Grüße in die Schweiz
Ihr
Jens Ahlbrecht
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