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Zunaechst zur Theorie: Veterinärhomöopathie nach Boger

 
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Peter Klocke



Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 24.01.2005, 15:54    Titel: Zunaechst zur Theorie: Veterinärhomöopathie nach Boger Antworten mit Zitat

Werte Kolleginnen und Kollegen,

ich hoffe, als Tierarzt weder exotisch noch in diesem Forum unpassend zu sein. Ich bin seit geraumer Zeit dabei, die Boger-Methodik für die (Nutz)tiermedizin zu entdecken (und zu lieben). Deshalb bin ich natürlich auch froh, in diesem Forum vielleicht mal ein paar Tipps zu bekommen und ein paar Leitplanken su sichten, um nicht völlig neben die Spur bei der ohnehin schwierigen Umsetzung der Homöopathie auf das Tier zu geraten. Meine erste Überlegung (mit Bitte um feedback) ist folgende:



Die Milchkuh als solche ist gemäss meiner Theorie bestätigt durch die Physiologie eigentlich grundsätzlich ein Tier, das mit seinen Drüsen zu tun hat. Viele Erkrankungen liegen ursächlich im Bereich des Hypothalamus-Hypophysensystems, der Gonaden, der Milchdrüse und der Leber. Da bietet sich im Sinne der anatomischen Wirkrichtung die wunderbare GA-Rubrik "Drüsen" (053) an. Das System ist bei der Kuh so komplex und verflochten, dass eine eigenständige Genese im Bereich des Euters oder der Eierstöcke kaum konstatiert werden kann.



Nun die Frage, die vielelicht etwas schematisierend und schubladenhaft anmutet. Ist im Sinne des Prinzips der Durchgängigkeit bei den meisten Erkrankungen (ich würde schätzen 70-80%) der Kuh das Mittel mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich zu suchen? Das wären 30 Mittel. Mir ist klar, dass die Antort lauten muss (und bei vielen Homöopathen auch so lautet): "das kommt auf den Fall an". Gut, mag sein, aber wenn ich grundsätzlich mit dieser Überlegung gleich zwei Postulate von Boger verinnerliche und umsetze, was wäre dann falsch an diesen Gedanken, die die Mittelwahl sehr stark vereinfachen würde.



Wir haben oftmals mit der Angst von Kollegen zu tun, klassisch homöopathisch zu arbeiten, Bogers Generalisierung würde aber einen Beitrag dazu leisten, etwas angstfreier zu therapieren.

Bin gespannt auf allfällige Antworten.

Gruss

Peter Klocke
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Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin
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Norbert Winter



Anmeldungsdatum: 23.12.2004
Beiträge: 92

BeitragVerfasst am: 24.01.2005, 16:40    Titel: Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin Antworten mit Zitat

Sorry, wenn ich eine Antwort versuche, obwohl ich über keine Erfahrung im Veterinärbereich verfüge. Ich versuche, als Humanhomöopath zu überlegen, wie Boger möglicherweise dieses Thema sehen würde.

Und daß die Bogersche Denkweise einige der Probleme der Veterinärhomöopathen erleichtert, scheint mir sehr einleuchtend zu sein.

Die Überlegung bzgl. Drüsen als anatomisches Wirkungsspektum in ca. 75% der Erkrankungen der Kuh und die Anwendung der Karte des GA oder der SK-Rubrik (die zudem Chin, Kali-m, Tab und Tub (!!!) beinhaltet) scheint mir durchaus denkbar und ein pragmatischer Ansatz. Ich verstehe diese Vorgehensweise derart, daß die Rubrik im Sinne einer Gaußschen Glockenkurve die Wahrscheinlichkeit wiedergibt, daß das gesuchte Mittel in diesem Pool liegt. D.h., daß bei Vorliegen einer drüsenbetonten Erkrankung mit ca. (je nach Betonung der Drüsen) 70-90 prozentiger Wahrscheinlichkeit das gesuchte Mittel in der Rubrik aufgeführt wird. Nach meiner Auffassung müsste das bereits eine große Erleichterung der Arbeit des Veterinärs bedeuten. Ich bin gespannt, was die Erfahrung dazu sagt.
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Peter Klocke



Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 24.01.2005, 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

das ist natürlich genau die Antwort, die ich mir gewünscht hätte. Weitere Folgeüberlegungen wären dann anzustellen: wenn ich mit einer erträglichen Sicherheit (die Praxis zeigt, dass andere Verfahren gemessen an den Helungsraten nicht höher zu beurteilen sind, als von Ihnen angegeben) die Mittelauswahl quasi in Form einer Art Genius spezies einschränken kann, dann wäre es theoretisch möglich, die Symptome gemäss weiterem Boger'schen Vorgehen zu spezifizieren (v.a. durch Verankerung, Modalitäten etc.), um relativ schematisch an die Sache herangehen zu können. Heisst natürlich, dass man zugeben müsste, dass die Kuh bis zu einem gewissen Grad (ganz unhomöopathisch) deindividualisiert wäre. In der Tat sieht die Praxis heute derart aus, dass die homöopathisch Buiatrik, so sie denn praktiziert ist im wesentlichen nach klinischen Kriterien verläuft. Boger liesse aber einen Ansatzt zu, der auf der einen Seite eine vereinfachte Form der klassischen Homöopathie darstellt (Kent ist nach meinem persönlichen Dafürhalten m.ow. ungeeignet), auf der anderen erhielte die klinische Homöopathie ganz neue Aspekte, wäre aber trotzdem noch existent.



Als Beispiel seien in der Mastitistherapie Rhus-t genannt, über das ich schon öfter gegrübelt habe.



Danke für Ihre Stellungnahme.
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Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin
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Norbert Winter



Anmeldungsdatum: 23.12.2004
Beiträge: 92

BeitragVerfasst am: 24.01.2005, 18:58    Titel: Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin Antworten mit Zitat

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich alle Aspekte verstanden habe. Die Drüsenkarte als erste Karte bei tatsächlichen Drüsenerkrankungen der Kuh (was ja der Individualisierung Genüge tun würde) – oder – wenn man nichts Besseres hat – als generelle Einstiegskarte bei der Behandlung von Kühen (Genius spezies)?



Mangels eigener Erfahrungen fiel mir ein - kürzlich gelesener - Fall zu diesem Thema ein:



„Während einer Evakuierung im letzten Krieg hatte ich die einzigartige Gelegenheit, drei Kühe zu behandeln, die Lähmungserscheinungen entwickelt hatten, nachdem sie ihre Kälber geboren hatten. Diese Kühe mußten in einem baufälligen Verschlag wohnen und auf dem feuchten Boden liegen. Der Ort ist bekannt für sein nebliges und kaltes Wetter und liegt in einer Höhe von über 2000 Metern über der Meereshöhe. Alle diese Fälle reagierten wunderbar auf zwei oder drei Gaben Rhus-t. Jede Gabe bestand aus einem Tropfen der Arznei in etwas Wasser.“



Dieser Fall stammt aus der Arzneimittellehre von Bhanja (übersetzt von Jens Ahlbrecht) und würde – in meiner Betrachtungsweise – mittels der GA-Karten

GA 164 – Lähmung und

GA 201 – Nässe oder GA 146 – Kaltwerden ...

auf Rhus tox u.a. führen.

Soweit ganz einfach – für mich wäre es – theoretisch - damit getan.

Nur – wenn man dann nicht weiterwüsste – wäre es legal, hierzu die Karte „GA 053 – Drüsen“ zu nehmen, obwohl die Drüsen vermutlich nicht den anatomischen Wirkungs-Schwerpunkt ausmachen, sondern nur die Arzneigewichtung etwas in Richtung „Kuh“ verschieben ? In meiner Auffassung nicht – es sei denn, man ist aufgrund zu weniger Angaben handlungsunfähig und versucht in der Not, damit die Wahrscheinlichkeit einer geeigneten Arzneiwahl etwas zu erhöhen.

Ob das gelingt, wage ich nicht einzuschätzen. Vielleicht zwingt die Praxis, diesen Weg zu erproben. Aber ich merke, was für ein spannendes Feld da eröffnet wird.
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Jens Ahlbrecht



Anmeldungsdatum: 23.12.2004
Beiträge: 103
Wohnort: Pohlheim

BeitragVerfasst am: 25.01.2005, 10:00    Titel: Antworten mit Zitat

Was einem weiteren Nicht-Veterinär mit der Bitte um Nachsicht zu dieser hochinteressanten Diskussion einfällt (aber fachfremde Querschüsse haben manchmal ja auch was Kreatives):



Obwohl aufgrund der generalisierten Rubriken vermeintlich stark vereinfachend, ist die Boger-Methode gleichwohl ein streng individualisierendes Verfahren. Von daher ist zwar mit Rücksicht auf die arttypischen Krankheitsbilder und -schwerpunkte möglicherweise zu erwarten, daß bei den Erkrankungen von Rindern die GA-Rubrik "Drüsen" überproportional häufig angezeigt sein wird (so wie u.U. die GA-Rubrik "Gelenke, arthritische Beschwerden" bei Pferden); dies läßt aber m.E. (vielleicht: noch) nicht den Rückschluß zu, daß man die "Drüsen"-Rubrik - salopp gesagt - als prä-eliminierende "Kuh-Karte" an den Beginn der Repertorisation setzen kann. Denn obwohl die in der GA-Rubrik "Drüsen" aufgeführten Mittel unter artspezifischen Gesichtspunkten einen sehr deutlichen Bezug zum Rind haben dürften, kann ich als Laie mir dennoch gut vorstellen, daß bei der Behandlung von Rinderkrankheiten z.B. auch die GA-Karte für unterdrückte Ausscheidungen: "Absonderungen amel." sehr häufig eingesetzt werden muß, da Störungen oder gar das völllige Versiegen der Milchproduktion (= Drüsengeschehen) oft das Initialsymptom darstellt (vgl. Wolter: Klinische Homöopathie in der Veterinärmedizin). Die Schnittmenge dieser beiden Rubriken beträgt ganze 9 Mittel (darunter natürlich fast alle großen Polychreste).



Von daher denke ich, daß die Boger-Methode für die Veterinärmedizin eher deshalb eine wertvolle Bereicherung darstellen kann, weil sie es aufgrund ihres modularen Generalisierungs-Prinzips gestattet, das i.d.R. aus wenigen objektiven Zeichen oder pathologischen Allgemeinsymptomen bestehende individuelle Krankheitsbild eines Tieres "nachzumodellieren" und so zu einer kleinen Gruppe von Arzneien zu gelangen, die dann über die MM weiter differenziert werden müssen.



Zur Illustration dieser Auffassung abschließend noch zwei kurze Fälle aus dem sehr empfehlenswerten Buch "Homöopathie in der Veterinärmedizin" von Gerhard Borschel, die mit der GA nachgearbeitet wurden:



Fall S. 21: "Ich werde oft zu Schweinen gerufen, manchmal auch im Hochsommer, ich sollte doch mal sofort kommen, das Schwein wäre umgefallen und würde nach Luft ringen, wäre schon ganz blau, die Rüsselscheibe wäre schon ganz blau angelaufen. Hier genügt gewöhnlich Aconitum LM 30 oder XM, in hochakuten Fällen gebe ich gerne LM 30 [...]."



Dieses Krankheitsbild - unabhängig davon, wie häufig es in genau dieser Form anzutreffen ist - hat drei zentrale Charakeristika: Kollaps, Blaufärbung und Hitzeverschlechterung. In die Rubriken der General Analysis übersetzt heißt das:



154 Kollaps

032 Bläulich

130 Hitze Agg.




Drei Mittel gehen durch alle Rubriken durch: Acon., Carb-v., Sep.



Wichtig ist zu erwähnen: Auch wenn Borschel zufolge Acon. hier so etwas wie ein Spezifikum ist, ist es dies doch nur aus dem Grunde, weil es einen Ähnlichkeitsbezug zur zentralen Charakteristik des Krankheitsbildes hat.



Fall S. 26f.: "Ich wurde zu einem etwa vierzehn Tage alten Kälbchen gerufen mit dem Vorbericht, heute morgen hätte das nicht richtig gesoffen, mittlerweile hätte es auch ein bißchen Durchfall gehabt, aber sonst wäre es ruhig gewesen. Jetzt auf einmal gebärdet sich das Tier wie wild, es schlägt um sich, springt auf, schmeißt sich wieder hin, hätte einen dick geschwollenen Leib, verdrehte die Augen, daß man meinte, es würde jeden Augenblick verenden und ich möchte doch mal bitte sofort kommen, ob da noch was zu machen wäre. Wie ich das Tier vorfand, war es auch genauso, wie es der Besitzer geschildert hatte, es sprang auf, schmiß sich hin, egal wohin, es empfand auch keine Schmerzen, denn es schlug mit dem Kopf gegen die Wand, und es tat ihm anscheinend gar nicht weh, es mußte eine fürchterliche Kolik haben. Und wenn man das Bild betrachtet, so wie es sich mir hier darbot: Unerträglichkeit der Schmerzen, anfallsweise, krampfig, ziehend. Ja, es traten Koliken auf,die sehr schmerzhaft waren und zu sehr schmerzhaften Erscheinungen führten, unterbrochen von kurzfristigen Ruhephasen, das Tier fuhr dann regelrecht in sich zusammen und zuckte, verdrehte die Augen, wie es der Besitzer geschildert hatte, besonders unruhig, springt umher. Anscheinend bringt es ihm etwas Erleichterung, wenn es aufspringt, denn im Liegen kann es sich gar nicht lang halten."



Faszinierend an der Darstellung ist, daß Borschel die Kernaspekte verallgemeinert, d.h. das dargebotene Krankheitsbild ganz in Bogerscher Manier zusammenfaßt, ohne freilich selbst nach Boger zu arbeiten. In die Rubriken-Sprache der GA übertragen, könnte sich dies so lesen:



158 Krampf, Kolik

010 Anfälle, wiederholte

219 Reißende, sehr heftige Schmerzen
(womit u.U. sogar vermeintlich reine Empfindungsrubriken der General Analysis in der Veterinärmedizin eingesetzt werden könnten...)



Durchgängige Mittel sind: Bell., Caust., Cham., Sulf.



Dr. Borschel gab Cham. XM intramuskulär, und das Tier beruhigte sich innerhalb weniger Minuten.



Zu betonen ist, daß es, wie Borschel ja selbst schreibt, um das "Bild" der Krankheit geht. Und genauso sind auch die Bogerschen Rubriken meines Erachtens nach selbst dort, wo sie, wie etwa im Bereich Lokalisationen/anatomische Wirksphäre, vermeintlich rein klinisch daherkommen, eher bildhaft-deskriptiv zu verstehen und auch anzuwenden!



Die beiden Fälle zeigen zudem, daß die Boger-Methode nicht nur bei chronischen, sondern auch und gerade bei akuten Fällen mit einer klaren Symptomatik eingesetzt werden kann.
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Peter Klocke



Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 25.01.2005, 10:38    Titel: Antworten mit Zitat

Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie davor warnen, die buiatrische Homöopathie mit der Glands-Karte erstmal zu kondensieren. Worum es mir unter anderem ging, war die Frage nach Ihrer Meinung zur "Drüsen-Frage", auch im Hinblick auf eine der wichtigsten Erkrankungen der Kuh, der chronischen Mastitis, die m.m.n. in der Regel nicht einzig als lokales Geschehen gesehen werden darf.



Meine Erkenntnis bezüglich Boger bezogen auf das (bdingt) deindividualisierte Tier ist die, dass die Generalisierungsmöglichkeit der Methodik Raum bietet, der gemäss der kentianischen Homöopathie (hier in der Schweiz immer noch state of the art) nicht vorhanden ist. Die Gefahr, das Gesamtbild des Tieres aus den Augen zu verlieren, nur weil bestimmte Symptome nicht repertorisierbar sind oder sich nicht als absonderlich zeigen, ist dabei gross. Bei der Dursicht auch der Wolter'schen Fälle, die Sie nachgearbeitet haben, erlebe ich ein Gefühl erhöhter Sicherheit bezüglich der Arzneimittelfindung.



Abschliessend vielleicht noch ein interessanter Aspekt, betrachtet man einmal die buiatrische Homöopathie statistisch, so fallen mir in der (von mir nicht fundiert überprüften) Literatur kaum Fälle ein, die sich jenseits der Drüsen-Rubrik und ihrem AM-Spektrum abspielen.



Alte Veterinärfälle nach Boger aufzuarbeiten halte ich für eine geniale Lernmethode. Hierbei soll das genaeralisierte Bild nicht gebeugt werden, so dass es am Ende passt, sondern man denkt noch einmal intensiv über die Wahl der Boger-Rubriken nach.



Diese Ausführungen sollen nicht bedeuten, dass man ohnehin auf die wahrscheinlichen Mittel (die sich bereits aus der Klinik abzweichnen) auch mit Boger kommt. Vielmehr versuche ich auch im Familienbereich Bogers Sichtweise zu implementieren und erlebe bei den Mittelspektra oftmals Überraschungen in der Weise, dass AM erscheinen, über die ich früher schon einmal nachgedacht habe, sie aber kentianisch nicht bestätigen konnte. Die Materia Medica ergab oft ein uneinheitliches Bild. Mit der Möglichkeit der Generalisierbarkeit werden die Bilder klarer, und das auch bei relativ dürftiger Symptomenlage. Und genau das gilt nahezu grundsätzlich für die Kuh.



Ich hoffe, diese Diskussion wird weiter so fruchtbar bleiben wie ohne schon. Danke schon mal für Ihren "Fremdgang".



Herzliche Grüsse

Peter Klocke
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Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin
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Peter Klocke



Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 28.01.2005, 10:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ergänzung zum Ansinnen dieses Fadens: Ich muss zugeben, dass mich ein kleiner Denkfehler geritten hat. Im Sinne der Generalisierung sollte man zwar meiner Meinung nach die Glands-Rubrik im Hinterkopfe behalten, aber nicht jedes Tier, dass z.B. an einer Mastitis erkrankt ist, hat auch generalisierte Drüsen-Probleme, also gleichzeitig ovarielle Dysfunktionen z.B. Nur kommt das nicht selten vor und dann würde ich nochmal drüber nachdenken.



Die Tatsache, dass auch Boger streng individuell vorgeht, ist natürlich richtig, nur ist doch offensichtlich, dass bei gut verankerter Wirkrichtung die Mittelwahl im Vergleich zu anderen Techniken sehr stark eingegrenzt ist.



In diesem Zusammenhang noch mal eine Anfrage an die erfahrenen Bogerianer:



Ich möchte die Mastitis der Kuh angehen. Eine GA-Rubrik "Brustdrüse" existiert nicht, nur im SK. Welche Wirksphäre (wenn nicht die Drüsen) würden Sie vorziehen?



Die GA-Rubrik "Drüsen" enthält 30 Mittel, die SK-Rubrik "Brustdrüse" 14 Mittel, die mir alle im Rahmen der klinischen Homöopathie sehr bekannt vorkommen.

Allerdings enthält die GA-Karte noch AM, die mir schon früher durch den Kopf gingen und entsprechend der Kent'schen Repertorisation hinten herunter fielen: Beispiele: Calc, Clem, Apis, Rhus-t, und Tub.



Schliesslich enthält die Drüsenrubrik viele bekannt bewährte Mittel, die in der SK-Rubrik erstaunlicherweise fehlen: Merc, Lach und Hep, um nur drei zu nennen. Auch umgekehrt sind Beispiele zu finden, die in der Drüsen-GA-Rubrik nicht auftauchen: Phel, Cham, Lac-c und Urt-u, um die wichtigsten zu nennen. Ich will nicht die klinische Homöopathie in Deckung mit Boger bringen, aber mich verunsichert diese Aufstellung etwas. Andererseits würde ich natürlich nicht ausschliessen, dass die entsprechenden Rubriken wirklich nur bei "nachweislicher" Generalisierung auf der jeweiligen Ebene angewendet werden dürfen, was an sich ja schon ein Differenzierungskriterium wäre. Wie sehen Sie das? Und kann ich den SK m.o.w. gleichwertig zur GA einsetzen (im Prinzip technisch gesehen mittels Anwendung der BBC-Win Software)?



Zweite Frage (etwas kürzer): Wäre eine Verankerung auch über den Betsand, also quasi nicht in der direkten Verwandtschaft der Kuh möglich? Das würde ein Riesenproblem der Bestandeshomöopathie lösen, die sehr stark propagiert wird in letzter Zeit.



Danke schon mal für ein paar Gedanken Ihrerseits hierzu.

Es grüsst herzlich

Peter Klocke
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Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin
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Norbert Winter



Anmeldungsdatum: 23.12.2004
Beiträge: 92

BeitragVerfasst am: 28.01.2005, 11:53    Titel: Boger-Methodik als Homöopathie für die Tiermedizin Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Klocke (diesmal richtig geschrieben)

hier wieder die laienhafte Projektion des Humanhomöopathen auf die Veterinärebene.

Zunächst hat die Kuh eine Mastitis. Dies bedeutet, solange nichts anderes bekannt ist, daß keine Vogelperspektive und keine Verankerung vorliegt, daß somit eher die SK-Rubrik Brustdrüse geeignet ist (alleine mit dieser Information wäre die GA-Rubrik Drüse unsicher oder es müßte auf andere Symptome ausgewichen werden). Ich würde annehmen, daß diese SK-Rubrik ca. 70% dieser Situationen abdeckt. Wenn sich die Mastitis bei dieser Kuh immer wieder zeigt, erhöht sich - aufgrund der Verankerung - die Wahrscheinlichkeit dieser Rubrik auf vielleicht 90%. Wenn dagegen die Mastitis aufgrund früherer Erkrankungen oder aufgrund der kuheigenen Physiologie (keine Ahnung) als Ausdruck eines allgemeinen Drüsenproblems zuu sehen ist, dann passt die SK-Rubrik Brustdrüse nicht mehr so gut und die GA/SK-Rubrik Drüse ist eher sinnvoll. Je stärker die Verankerung und die Vogelperspektive, desto wahrscheinlicher die Rubrik.Im Zweifelsfall wäre es sicher besser, beide Rubriken im Überblick zu behalten.

(PS Vielleicht ist für den Veterinärbereich sogar eine Nachlochung dieser SK-Rubrik sinnvoll, so daß sie auch im GA eingesetzt werden kann.)



Ganz spannend ist auch die Frage der Bestandshomöopathie. Wir sprachen an anderer Stelle bereits über das Thema Experimente und ein Feld, in dem ich experimentiere, ist die Betrachtung systemischer Effekte zum Verständnis von Krankheitsentwicklung. Dabei ergibt es sich oft, daß eine Arznei im familiären Umfeld gehäuft auftritt, dies kann im Sinne ähnlicher miasmatischer Tendenzen ebenso wie im Sinne eines akuten Genius epidemicus verstanden werden. Darüber hinaus glaube ich aber, auch gewisse Häufungen ähnlicher Arzneien im nichtverwandschaftlichen Systemen gesehen zu haben (noch sehr vage). Dies ist ja auch ein Bestandteil der systemischen Betrachtungsweisen, daß sich im System gemeinsame Aspekte herauskristallisieren, zum einen dadurch, daß sich gemeinsame Veranlagungen anziehen, zum anderen durch ein allmähliches Ähnlichwerden. Dann sollte dies ja auch um so mehr bei Tieren auftreten, erst recht bei einem Tierbestand. Von der Seite kann ich mir sehr gut vorstellen, daß es derartige Effekte gibt. Der oben erwähnte Fall mit den drei Kühen, die allesamt Rhus tox bekommen, legt dies ja auch nahe. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich auch öfters bereits von derartigen Häufungen in der Veterinärhomöopathie gelesen. Dann liegt natürlich auch nichts näher, als mit Boger´scher Generalisierung dieses Thema zu ergründen. Wenn alle Kühe an ähnlichen Symptomen leiden, ist es eh klar. Wenn alle Kühe zwar unterschiedliche Symptome zeigen, viele aber z.B. eine gleiche anatomische Wirkungsspäre, dann würde ich sicher mit der entsprechenden Karte „spielen“, versuchshalber auch bei nichtbetroffenen Kühen. Möglicherweise können wir in der Humanhomöopathie sogar viel daraus lernen.

Viele Grüße !

Norbert Winter
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Jens Ahlbrecht



Anmeldungsdatum: 23.12.2004
Beiträge: 103
Wohnort: Pohlheim

BeitragVerfasst am: 28.01.2005, 12:08    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Herr Klocke,

ich denke, Ihre erste Frage berührt ein ganz zentrales Problem, nämlich das der Autorität eines Repertoriums. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich klarzumachen, daß wir die von uns in einem gegebenen Fall herangezogenen Rubriken - und das betrifft natürlich nicht nur die Boger-Repertorien - mit kritischem Sachverstand handhaben müssen, ohne in übertriebener Ehrfurcht zu erstarren.

Bezogen auf Ihre Frage heißt das: Es macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, eine bestimmte GA-Rubrik mit ihrem Arzneimitteltableau zur endgültigen Autorität erklären zu wollen. Soll ich etwa das meiner Erfahrung nach bei kindlicher Enuresis häufig angezeigte Calc. aus meinen Überlegungen verbannen, weil es auf der Inkontinenz-Karte der GA nicht erscheint (dafür aber in der Bettnässer-Rubrik des SK)?

Wie in jedem anderen Repertorium auch, sind die Arzneimitteltableaus der GA vorläufig und lediglich als Vorschläge im Kontext einer bestimmten Charakteristik zu verstehen. Bei einer Repertorisation ist immer zu prüfen, ob die danach sich anbietenden Mittel einen denn auch wirklich überzeugen, sprich: auch wirklich auf den Fall passen.

Von daher einfach meine Gegenfrage: Wenn schon so viel klinische Erfahrungswerte bzgl. der Behandlung von Mastitis bei Rindern vorliegen, daß eingeschätzt werden kann, daß sowohl der Einsatz der GA-Drüsen- als auch der der SK-Brustdrüsenrubrik Sinn machen kann, warum nimmt man dann nicht beide? Entweder alternativ, und dann schaut man jeweils, bei welchen Mitteln man bei der weiteren Differenzierung landet - oder indem man sie versuchsweise zu einer dann noch mehr Sicherheit vermittelnden Einstiegsrubrik zusammenführt?

Sicherlich sind da noch die spezifischen Unterschiede zwischen Human- und Veterinärhomöopathie zu berücksichtigen, ich kann aber sagen, daß ich in meiner Praxis zunehmend mit den Karten "spiele", d.h. verschiedene Rep-Varianten gegeneinanderhalte, um Ideen zu Mitteln zu erhalten, z.B. die entsprechenden Rubriken, die ich GA-technisch erfaßt habe, auch mit der TTK repertorisiere (analog: 2. Abteilung von BBC-TB bzw. BBC-Win), oder daß ich nach einer generalsierenden GA-Repertorisation das Krankheitsbild mit den Partikularrubriken von TTK bzw. BBC-TB/Win zu erfassen suche (Wie etwa im obigen Beispiel: GA-Inkontinenz und BBC-TB-Bettnässen).

Der Fall, daß ich mir einer GA-Rubrik wirklich so sicher bin, daß ich sage: Das Mittel muß auf dieser Karte sein, kommt zwar auch vor, stellt aber nicht die Regel dar.

Die zweite Frage zu beantworten fällt mir sehr schwer, da ich mich als Laie überhaupt nicht in der Lage sehe, die "Feldwirkung" eines Bestandes auf ein einzelnes Tier einzuschätzen; da das Herdenprinzip bei den Rindern aber sehr ausgeprägt ist, könnte ich mir, jetzt einmal ganz ins Blaue spekuliert, aber schon vorstellen, daß derartige Überlegungen hier relevanter sind als bei anderen Tierarten oder beim Menschen.

Unstrittig dürfte der Bestandsansatz allerdings überall dort sein, wo wie bei epidemischen Akuterkrankungen das Konzept des Genius epidemicus zum Tragen kommt. Erwägenswert erscheint mir der Gedanke auch dort, wo verschiedene individuelle Erkrankungen (hier durchaus auch chronifizierte) innerhalb des Bestandes möglicherweise auf ein und denselben äußeren Einfluß zurückgeführt werden können (Nässe, Hitze, Futter, Zugluft, Impfungen). Aber das ist, wie gesagt, für einen Nicht-Veterinär sehr dünnes Eis, und es wäre schön, wenn hierzu die wirklichen Fachleute einen Beitrag liefern könnten.

Herzliche Grüße in die Schweiz

Jens Ahlbrecht
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Peter Klocke



Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 28.01.2005, 12:41    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Winter,

Klasse, danke! Sollten Sie sich noch einmal als Laien bezeichnen, werde ich über die Expertise vieler Kollegen (mich eingeschlossen) noch einmal ernsthaft nachdenken Winken .



Noch einen Schritt weiter gedacht: wenn eine bestandesmässige Häufung gleichartiger Erkrankungen auftritt, kann das mehrere Ursachen haben: entweder die Verankerung muss für das (Nutz)tier noch einmal ganz neu überdacht werden, was immense Folgen für die Mittelreduzierung hätte, da bei Bestandesbetrachtung nahezu jede Häufung von Erkrankungen eine gewisse Verankerungsrelevanz hätte, oder es liegen gemeinsame Causalitäten vor, oder beides.



Im ersten Fall würde ich gefühlsmässig tatsächlich von einer relativ gesicherten Verankerung sprechen, was zum einen die gewählte Rubrik absichert und zum anderen infolgedessen zu einer sehr übersichtlichen Mittelwahl führt. Das wäre eine mögliche Antwort auf die Frage, ob im Rahmen der Bestandeshomöopathie die nach Kent eher als banal anzusehende Berücksichtigung der Wirkssphäre sehr hochwertig zu betrachten ist. Viele meiner Kollegen würden in solchen Fällen aus homöoindividuellen Prinzipien heraus die Kent-Rubrik Mastitis nicht mit der Kneifzange anfassen. Aber ich sehe es doch richtig, dass ich nach Boger in diesem Fall geradezu verpflichtet bin, die Wirksphäre als derartigen Filter zu sehen?



Die Causalitätsfrage bzw. auch entsprechende Modalitäten, die ja in dieser Methodik sehr hochwertig angesehen werden sollten sich doch herausarbeiten lassen. So kann man im Rahmen von Bestandesuntersuchungen Faktoren wie mieserable Hygienezustände im Stall (Nässe, GA 201?), Belastungen durch Sommerhitze (GA 139) oder schlechte Stallluft (GA 085) ausmachen. Auch falsche Melktechnik ist nicht unwesentlich (zu diskutieren wäre hier die SK Rubrik Allgemeines - Säugen agg, oder besser Brustdrüse - Stillen agg -- wie sehen Sie den Unterschied dieser beiden Rubriken, die völlig unterschiedliche Mittelspektra haben?). Bezüglich der falschen Melktechnik könnte natürlich auch eher die Trauma-Rubrik im GA herhalten, da wäre ich aber ein wenig wackelig, wie bei der Still-Modalität im übrigen auch.



Bitte, das ist ALLES sehr schematisch gedacht und soll nur meine Gedanken verdeutlichen. Im Einzel- oder Bestandesfall müssten wahrscheinlich spezifischere Symptome gelten.



ABER: führt diese meiner Meinung ja durchaus konsequente Umsetzung der Bogertechnik nicht zu einer starken Einengung der Individualität des Rindes, eine Mutmassung, die natürlich nicht von mir stammt, die aber die Zerissenheit der Veterinärhomöopathie, der es nur selten gelingt, Nutztiere individuell zu betarchten auflöst? Wäre die Veterinärhomöopathie damit einverstanden (ich schon)? Gelten am Ende für das Tier doch andere homöopathische Gesetze als für den Menschen?



Das erstaunlichste an dieser Diskussion ist, dass mein jetziges, noch immer flexibles Weltbild der Nutztierhomöopathie schon seit Jahren in meinem Kopf herumgeistert, mir aber in der jenseits von Boger liegenden Homöopathie die theoretischen Entsprechungen für ein solches Modell fehlten. Das hat sich geändert, sofern ich keine grundlegenden Denkfehler mache.



Sorry, wenn meine Texte so lang sind, aber bisher fehlten mir fundierte Kollegen, die diese Diskussion mit führen konnten (Gibt es eigentlich eine GA Rubrik für unterdrückten Redeschwall Lachen ? .



Viele Grüsse

Peter Klocke
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Norbert Winter



Anmeldungsdatum: 23.12.2004
Beiträge: 92

BeitragVerfasst am: 28.01.2005, 19:52    Titel: Zunaechst zur Theorie: Veterinärhomöopathie nach Boger Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Klocke



ich fürchte, meine Texte sind auch nicht kürzer - mein Beileid .....



Zu dem Thema Kent-Boger-Individualisierung-Wirkungssphäre etc. gehört m.E. noch ein übergeordnetes Modell. Dies sieht bei mir so aus:

Einerseits gilt, je größer die Pathologie, desto mehr Sinn ergibt die Karte zur anatomischen Wirkungsspäre. Also eine CA-Erkrankung in dem betroffenen Gewebe oder ein Lupus oder ein tiefes Geschwür erfordert die Betonung des betroffenen Gewebes. Das Kribbeln auf der Nasenspitze dagegen findet keinerlei Entsprechung mit der Karte „Nase“. Bei Kent dagegen gibt es dafür eine Rubrik - die allesamt Mittel enthält, die in der Boger-schen GA-Karte Nase ... nicht vorkommen. Kent läßt sich also auf das Unternehmen ein, in einer Rubrik Dinge zusammenzustellen, von der niemand annehmen kann, daß diese Rubrik einigermaßen vollständig ist - werder durch Prüfung noch durch Klinik. D.h. Kent weiß ja, mit seinen Detailangaben kann er bestenfalls Zünglein an der Waage liefern, aber nie eine eliminierende Rubrik. Ich denke, Kent würde vielleicht sogar akzeptieren, daß seine Lokalrubriken hintenanstehen, während Bogers Gewebsrubriken bei deutlicher pathologischer Betonung des Gewebes diese sogar erzwingen. Bezogen auf unser Kuh-Problem hiesse das, bei einer leichten Mastitis hat die Karte Drüse oder die Rubrik Brustdrüse eine geringere Wahrscheinlichkeit, bei extremem Befall eine höhere Wahrscheinlichkeit, daß sie das Problem trifft. D.h., wenn die Kentschen Kollegen die Mastitis-Rubrik des Kent meiden, tun sie dies aus der Erfahrung, daß diese vielleicht 50-60% der Möglichkeiten abdeckt, was ja nicht extrem viel ist. Beim Boger-Repertorium sind die Einträge und die Wertigkeiten so geschaffen, daß sie proportional zur pathologischen Veränderung gehen, d.h. je mehr da los ist, desto sicherer ist die Karte. Dieses Phänomen gibt es beim Kent weniger, da die Wertigkeiten und die Einträge anders zustandegekomen sind. D.h. bei einer leichten Mastitis und sonst gar nichts „Drüsigem“ ist die Kent-Rubrik vielleicht immer noch besser als die Boger´sche. Wenn nun in dem Bestand plötzlich viele Kühe eine leichte Mastitis bekommen, wird - nach unseren bisherigen Überlegungen - die Karte aber wieder besser, wenn schließlich heftige Entzündungen, Ulzerationen oder gar Krebs entstehen, dann wird die Boger-Rubrik zum Muß.



Zu den beiden Säugen-Verschlimmert-Rubriken kann ich leider nichts sagen. Der in der deutschen SK-Übersetzung angegebene Artikel von Herrn Klunker (KH 1973/6) ist im Moment für mich nicht greifbar, selber kann ich nur aus der Form der Rubriken schließen, daß dies eigene Erfahrungen Bogers waren, die aber weder in Bezug auf Wertigkeiten, noch in Bezug auf Vollständigkeit der Rubriken gut genug waren, als daß er sie vom Ergänzungsrepertorium in den ersten Teil übernommen hätte. Einfach noch nicht genug durch die Erfahrung geschliffen. Ich hoffe, eines Tages mehr zur Differenzierung beider Rubriken sagen zu können.



Ja - die andere Frage wäre noch, inwieweit die Individualisierung dadurch eingeschränkt wird. Ich finde nicht. Ich denke sogar eher, daß die Bogersche Individualisierung nicht nur dem einzelnen Symptom Rechnung trägt, sondern auch dem Gewicht des Symptoms, das es für das gesamte Krankheitsbild hat. Also eine neue Dimension, die in die Ähnlichkeitsbeziehung eingeschlossen wird und die dadurch auch zuläßt, daß mitunter das Bild mit 2-3 Pinselstrichen = 2-3 Rubriken deutlich genug erkennbar ist. Wenn es bei Betrachtungen zur Bestands-Homöopathie zu Abstrichen vom Individuellen kommt, ähneln die doch irgendwie dem Konzept des Genius epidemicus und auch der Miasmen und sind für mich durchaus vereinbar mit dem ursprünglichen hahnemannischen Konzept. Und - möglicherweise - in der Veterinärmedizin viel bedeutsamer als im Humanbereich.

(oder wir Humanler haben da vielleicht einen blinden Fleck ...?...)



Ich bin sehr dankbar für diesen Austausch und freue mich auf weitere Anregungen! Und ich bin brennend neugierig, was in der Veterinär-Bestands-Homöopathie tatsächlich passiert ...

Herzliche Grüße !!

Norbert Winter
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